<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
		>
<channel>
	<title>Kommentare zu: Krebsmittel: Was darf ein Monat Leben kosten?, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung</title>
	<atom:link href="http://nicola.kuhrt.de/2010/01/was-darf-ein-monat-leben-kosten-fas/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://nicola.kuhrt.de/2010/01/was-darf-ein-monat-leben-kosten-fas/</link>
	<description>Wissenschaftsjournalistin</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Feb 2012 00:36:48 +0000</lastBuildDate>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.2.1</generator>
	<item>
		<title>Von: Ulrich Kleeberg</title>
		<link>http://nicola.kuhrt.de/2010/01/was-darf-ein-monat-leben-kosten-fas/comment-page-1/#comment-133</link>
		<dc:creator>Ulrich Kleeberg</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 10:17:57 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://nicola.kuhrt.de/?p=303#comment-133</guid>
		<description>&gt; Sehr geehrte Frau Kuhrt,
&gt; Leider bin ich mit  Inhalten Ihres Artikels vom 17.1.10 in der FAZ Sonntagszeitung und mit Ihrer Interpretation der Kosten – Nutzen – Diskussion unzufrieden. Sachliche Fehler und Fehlinterpretation werden wieder mal auf die unkritische Ärzteschaft gehäuft – übliche journalistische Stimmungsmache.  Konkret habe ich folgende Einwände:
Zu Formulierungen: . Alle Medikamente werden im Labor entwickelt, auch Phytotherapeutika.  ist damit diskriminierend und soll dem Leser nahe legen, davon Abstand zu nehmen. „Teure Chemiekeule“ statt Bio….
 
Zu Inhalten:  - natürlich, und auch jeder gesunden Haut. Allein physiologische Kochsalzlösung kann von Haut und Schleimhaut vertragen werden, insbesondere wenn sie wund ist, wie bei einigen der von Ihnen verteufelten Signaltransduktionshemmer und monoklonalen Antikörper (nibs und …mabs).  Übrigens sind wir inzwischen weiter. Mit Hilfe prädiktiver Marker lassen sich Patienten selektieren, die von diesen neuen Medikamenten profitieren und denen wir solche unerwünschten Arzneimittel - Ereignisse (UAE) zumuten. Letztere lassen sich befriedigend lindern und sind nur ausnahmsweise Grund ein ggf. wirksames Medikament abzusetzen.
 
&gt; Und damit sind wir bei Ihrem Kernirrtum: Die von NICE oder IQWIG angegebenen Zahlen beziehen sich auf die Gesamtpopulation aller Patienten. Werden beim Kolonkarzinom mabs z.B. nach dem KRas  - Status eingesetzt, ist die Remissionsquote und –dauer deutlich höher. Hinzu kommt, dass Signifikanzen auf Median-werte bezogen werden und damit nicht für Randbereiche (der Gausschen Verteilungskurve) repräsentativ sind. Diese bezeichnen aber den Nutzen für die o.g. selektierte Gruppe von Patienten. Wenn der Median der Gesamtpopulation um ca. 3 - 4 Monate verbessert wird, bedeutet dies also einen wesentlich höheren Nutzen für die „Randgruppe“.
&gt; . Welche sprachliche Arroganz eines Gesunden. Es sind (median! S.o.) 14 – 16 Wochen eines lebenswerten Lebens, aber das könnte „zu gut“ klingen und der Intention Ihres Artikels widersprechen.
&gt; Gerne schiebt man dann alles der bösen Pharmaindustrie in die Schuhe, so auch . Es sind die Richtlinien der Ethikkommission, die dies vorschreiben, wenn Interimsanalysen mit statistisch gesicherter Signifikanz einen Vor- oder Nachteil der Verumgruppe zeigen. Es ist wohl auch nachvollziehbar, dass der Prüfpopulation aus ihrer Studienteilnahme kein Nachteil erwachsen lassen darf, auch dann nicht, wenn man damit das Langzeitergebnis verwischt - ein grundsätzliches Problem der Arzneimittelforschung. Aus letzterer hat sich die öffentliche Hand nahezu vollkommen herausgezogen und der Pharmaindustrie überantwortet. Uns wird Versorgungsforschung derart erschwert und verteuert, dass „Investigator initiierte Studien“ (IIS) eine große Rarität geworden sind, aus Spendengeldern finanziert (z.B. der DKH).
&gt; Zu den Kosten:  Es ist genau umgekehrt. Der Begriff der „zielgerichteten“ Therapie („targeted therapy“) bezieht sich auf den Einsatz des Medikamentes in den Stoffwechsel der Tumorzelle, nicht aber auf den individuellen Patienten. Wie oben ausgeführt werden aus der Gesamtpopulation die Kranken mit Hilfe von Prädiktionsmarkern selektiert, bei denen ein Ansprechen wahrscheinlich ist. Damit werden Kosten erheblich eingespart.
&gt; Schließlich ist die „Pille nach Maß“ das Anliegen der Ärzte, unserer Wissenschaftler und natürlich zunächst nicht der Pharmaindustrie. „Maßanzüge“ für die Therapie gibt es leider in der Onkologie viel weniger als Kranke mit der selben Krankheit aber anderer Tumorbiologie, denen man helfen möchte.
&gt; Auf dem 29. Deutschen Krebskongress in Berlin (24. bis 29.2.10) werden wir die wissenschaftliche und die ökonomische Problematik einer modernen Krebstherapie intensiv in mehreren Seminaren diskutieren. Sie sind herzlich dazu eingeladen. Wir Onkologen sind uns der demographischen, soziologischen und neuerungsträchtigen Probleme überaus bewusst. Diese aber nach englischer Art, gemäß NICE mit limitierten QALY’s zu lösen, halten wir für ethisch unverantwortlich – nicht umgekehrt, wie Sie das unterstellen. Die  ist ein Hauptthema und die große Gefahr, wenn wir Gesundheitspolitik allein aus utilitaristischem Blickwinkel betreiben und die Entscheidungen den Funktionären und Kassenvertretern am grünen Tisch überlassen.
&gt; Auf einen guten Diskurs hoffend,
&gt; mit freundlichen Grüßen  Ihr U R Kleeberg</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>&gt; Sehr geehrte Frau Kuhrt,<br />
&gt; Leider bin ich mit  Inhalten Ihres Artikels vom 17.1.10 in der FAZ Sonntagszeitung und mit Ihrer Interpretation der Kosten – Nutzen – Diskussion unzufrieden. Sachliche Fehler und Fehlinterpretation werden wieder mal auf die unkritische Ärzteschaft gehäuft – übliche journalistische Stimmungsmache.  Konkret habe ich folgende Einwände:<br />
Zu Formulierungen: . Alle Medikamente werden im Labor entwickelt, auch Phytotherapeutika.  ist damit diskriminierend und soll dem Leser nahe legen, davon Abstand zu nehmen. „Teure Chemiekeule“ statt Bio….</p>
<p>Zu Inhalten:  &#8211; natürlich, und auch jeder gesunden Haut. Allein physiologische Kochsalzlösung kann von Haut und Schleimhaut vertragen werden, insbesondere wenn sie wund ist, wie bei einigen der von Ihnen verteufelten Signaltransduktionshemmer und monoklonalen Antikörper (nibs und …mabs).  Übrigens sind wir inzwischen weiter. Mit Hilfe prädiktiver Marker lassen sich Patienten selektieren, die von diesen neuen Medikamenten profitieren und denen wir solche unerwünschten Arzneimittel &#8211; Ereignisse (UAE) zumuten. Letztere lassen sich befriedigend lindern und sind nur ausnahmsweise Grund ein ggf. wirksames Medikament abzusetzen.</p>
<p>&gt; Und damit sind wir bei Ihrem Kernirrtum: Die von NICE oder IQWIG angegebenen Zahlen beziehen sich auf die Gesamtpopulation aller Patienten. Werden beim Kolonkarzinom mabs z.B. nach dem KRas  &#8211; Status eingesetzt, ist die Remissionsquote und –dauer deutlich höher. Hinzu kommt, dass Signifikanzen auf Median-werte bezogen werden und damit nicht für Randbereiche (der Gausschen Verteilungskurve) repräsentativ sind. Diese bezeichnen aber den Nutzen für die o.g. selektierte Gruppe von Patienten. Wenn der Median der Gesamtpopulation um ca. 3 &#8211; 4 Monate verbessert wird, bedeutet dies also einen wesentlich höheren Nutzen für die „Randgruppe“.<br />
&gt; . Welche sprachliche Arroganz eines Gesunden. Es sind (median! S.o.) 14 – 16 Wochen eines lebenswerten Lebens, aber das könnte „zu gut“ klingen und der Intention Ihres Artikels widersprechen.<br />
&gt; Gerne schiebt man dann alles der bösen Pharmaindustrie in die Schuhe, so auch . Es sind die Richtlinien der Ethikkommission, die dies vorschreiben, wenn Interimsanalysen mit statistisch gesicherter Signifikanz einen Vor- oder Nachteil der Verumgruppe zeigen. Es ist wohl auch nachvollziehbar, dass der Prüfpopulation aus ihrer Studienteilnahme kein Nachteil erwachsen lassen darf, auch dann nicht, wenn man damit das Langzeitergebnis verwischt &#8211; ein grundsätzliches Problem der Arzneimittelforschung. Aus letzterer hat sich die öffentliche Hand nahezu vollkommen herausgezogen und der Pharmaindustrie überantwortet. Uns wird Versorgungsforschung derart erschwert und verteuert, dass „Investigator initiierte Studien“ (IIS) eine große Rarität geworden sind, aus Spendengeldern finanziert (z.B. der DKH).<br />
&gt; Zu den Kosten:  Es ist genau umgekehrt. Der Begriff der „zielgerichteten“ Therapie („targeted therapy“) bezieht sich auf den Einsatz des Medikamentes in den Stoffwechsel der Tumorzelle, nicht aber auf den individuellen Patienten. Wie oben ausgeführt werden aus der Gesamtpopulation die Kranken mit Hilfe von Prädiktionsmarkern selektiert, bei denen ein Ansprechen wahrscheinlich ist. Damit werden Kosten erheblich eingespart.<br />
&gt; Schließlich ist die „Pille nach Maß“ das Anliegen der Ärzte, unserer Wissenschaftler und natürlich zunächst nicht der Pharmaindustrie. „Maßanzüge“ für die Therapie gibt es leider in der Onkologie viel weniger als Kranke mit der selben Krankheit aber anderer Tumorbiologie, denen man helfen möchte.<br />
&gt; Auf dem 29. Deutschen Krebskongress in Berlin (24. bis 29.2.10) werden wir die wissenschaftliche und die ökonomische Problematik einer modernen Krebstherapie intensiv in mehreren Seminaren diskutieren. Sie sind herzlich dazu eingeladen. Wir Onkologen sind uns der demographischen, soziologischen und neuerungsträchtigen Probleme überaus bewusst. Diese aber nach englischer Art, gemäß NICE mit limitierten QALY’s zu lösen, halten wir für ethisch unverantwortlich – nicht umgekehrt, wie Sie das unterstellen. Die  ist ein Hauptthema und die große Gefahr, wenn wir Gesundheitspolitik allein aus utilitaristischem Blickwinkel betreiben und die Entscheidungen den Funktionären und Kassenvertretern am grünen Tisch überlassen.<br />
&gt; Auf einen guten Diskurs hoffend,<br />
&gt; mit freundlichen Grüßen  Ihr U R Kleeberg</p>
]]></content:encoded>
	</item>
</channel>
</rss>

